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S-Bahn im Sommer

Die Türen öffnen sich. Heiße Luft schlägt mir ins Gesicht. Als wäre die ungnädige Sonne, die unablässig auf meinem Kopf knallt nicht schon genug gewesen. Mein Gehirn schrumpft derweil auf eine kleine Rosine zusammen. Winzig, ausgetrocknet und ohne Leben.

Ich setze mich hin und versuche in die Gesichter der anderen Saunabesucher zu schauen. Keine Chance. Die aufsteigenden Dämpfe vernebeln mir mein Blickfeld. Ich versuche mich vom Fußmarsch zu erholen und das Schwitzen zu unterlassen. Aber die Hitze macht mir einen Strich durch die Rechnung. Mein Körper tropft weiter. Eine Schweißperle rennt mir die Nase hinunter. Zehn andere Perlen dringen über meine Augenbraunen auf die empfindliche Netzhaut. Ich versuche mit meinem Arm schlimmeres zu verhindern und reibe die ätzende Substanz nur noch weiter in die Augen.

ES BRENNT!!

Diese, durch die Sonne aufgehitzte S-Bahn ist ein Albtraum. Ich versuche aufzustehen, um bei der nächsten Station an der Tür Luft zu holen und mich abzukühlen. Leider rutsche ich auf dem schweißigen Boden aus und knalle mit Kopf gegen eine Metallstange. Zum Glück ist nichts passiert. Mein kleines Rosinengehirn kann nicht weiter beschädigt werden und das austretende Blut kühlt ein wenig.

Ich robbe mich zur Tür. Öffne sie in der Erwartung kühle Luft auf meiner Haut zu spüren. Aber es schlägt mir nur ein noch viel heißerer Luftstrom direkt vom unter der Tür angebrachten Motorraum entgegen. Ich ringe nach Luft. Mein T-Shirt hat bereits 10 Liter Flüssigkeit aufgenommen und meine Hose erweist sich saugfähiger als jede Windel.

Ich will doch nur Abkühlung. Die Tür schließt sich wieder und von draußen sieht man mich durch die Fensterscheibe mit dem Gesicht an das Glas gedrückt, schreien.

In der Hoffnung jemals ein kleinen Windhauch zu vernehmen, fahr ich weiter … leider bis zur Endstation.

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