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Eine SMS erzählt

Und abschicken! Weg ist die SMS. So denkt man. Sofort ist sie beim Gesprächspartner und man bekommt eine Antwort. Doch ab und zu geschehen merkwürdige Sachen mit den kleinen SMS. Nach Stunden erreichen sie erst ihr Ziel, kommen gar nicht oder nur bruchstückhaft an.

Ich interviewte eine SMS. Sie erzählt von ihrem erlebten:

Wann begann deine Reise? Ich darf Sie doch duzen?
Ja, sicher. Kein Problem. Also… Nach dem der Typ mich nun stundenlang bearbeitet, jeden Satz dreimal kontrolliert hatte, mir meine Punkte und Kommas unendlich mal gebrochen hat und sich trotzdem die schlimmsten Rechtschreibunfälle abspielten… wie kann man nur nämlich mit h, also „nähmlich“ schreiben…tse…also auf jeden Fall nach dieser Ewigkeit schickte er mich endlich los.

Wo sollte es denn hingehen?
Eigentlich nicht weit weg. Ich schätze es waren nur 600 Kilometer. So schaffe ich eigentlich in wenigen Sekunden. So wie ich gestaltet war, war ich wohl an eine Angebetete adressiert.

Wie fandest du dich denn selber geschrieben?
Niemand ist perfekt und sich selbst einzuschätzen ist sehr schwierig. Aber ich wäre der letzte, der behaupten würde, ich wäre fehlerlos. Nein, ganz sicher. Ich habe ja auch das Wort „nämlich“ erwähnt. Ein Teil von mir den ich überhaupt nicht leiden kann. Und überhaupt denke ich, dass ich an einigen Stellen etwas schmalzig sein kann.

Es gibt bestimmt Schlimmeres.
Ja, natürlich. Einer meiner Kollegen hatte einen schrecklichen Körperbau. Er war zwar noch jung. Im besten Alter, aber steckte schon voller lol’s, rofl’s und einer ganzen Menge omg, wtf und HDGDL. Der Arme. Einige haben es auch sehr schwer erwischt. Aber auch er hat die perfekte Lebenspartnerin gefunden mit viel ❤ und :3 und noch mehr ❤ ❤ :-* …  Ist zwar nicht mein Fall, aber die beiden haben sich gefunden.

Wunderbar! Aber kommen wir doch wieder zum eigentlichen Thema. Wie kamst du bei der Adressatin denn an?
Ich sah schlimm aus. Total zerrupft. An einigen Stellen konnte man mich kaum noch entziffern. Als Ersatz wurde nur */Text fehlt*/ hinterlassen. Sie hat mich natürlich nicht verstanden und wurde auch nicht beantwortet. Ein schreckliches Gefühl, wenn man so achtlos liegen gelassen wird und man nicht einmal Antworten auf Fragen bekommt.

Das ist wirklich schlimm. Was ist passiert?
Zum Anfang war noch alles normal. Ich stand in diesen sagenumwobenen Datenstaus. Es gab für mehrere Zehntel kein Vor und kein Zurück. Zu allem Unglück wurde ich auch noch von einer übergroßen MMS an der linken Seite geschliffen. Da ging schon der erste Teil verloren. Ich hoffe, die Datenautobahnpolizei findet diesen Satz. Nicht das er von jemand anderen mitgenommen wird und bei jemand anderen ankommt. Das wäre bestimmt peinlich für meinen Autor.

Ok, aber das scheint ja noch nicht alles zu sein, oder?
Sicher. Der Stau zog sich noch ein wenig hin, also beschloss ich auf einem Rastplatz kurz zu pausieren und meine Kommas einmal auszustrecken. Da wurde ich von zwei Kurz-SMS angesprochen. Du kennst die doch bestimmt auch. SMS in denen nur „Bye“ oder „ILU“ steht. Auf jeden Fall sagten sie, dass ihr Akku ein wenig leer war und fragten, ob ich sie nicht ein wenig mitnehmen könnte. Ich stimmte zu. Schließlich hatte ich ja noch knapp 140 Zeichen zur Verfügung. Als ich dann weiterreisen wollte, drehte ich kurz meinen Rücken zu diesen beiden um und ich mich versehen konnte, war mir ein Satz entwendet. Auch noch das wichtigste, denn sie haben den „Schatz“ mitgenommen. Ich verfolgte sie kurz, stürzte aber unglücklich über ein liegengelassen Smiley und brach mir ein Komma. Wenigstens hatte der Smiley gut lachen.

Ah! Ein typischer Fall von Datendiebstahl also?
Ja, so kann man das sehen. Nie wieder Anhalter.

Ich habe ja die Krankenhausfotos gesehen, als dein Autor versucht hat dich wieder zusammen zu setzen. Da hat aber immer noch ein großes Stück. Entschuldigung, wenn ich zu aufdringlich nachfrage.
Nein, das passt schon. Mir ist auch wichtig, dass ich das erzählen kann. Also, ich wollte natürlich jetzt nicht noch weitere Teile von mir verlieren und reiste ab da an etwas langsamer. Auch weil der Verkehr noch weiter zunahm. Ich war nun fast am Ziel, aber der schwierigste Teil lag noch vor mir.

Was war das?
Weißt du, ich bin ja durch und durch auf Vodafone geeicht und jetzt kam ich in das Gebiet der Telekoms. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen sie. Ich hatte auch schon zwei Beziehungen aus diesem Gebiet. Aber der Zoll ist so unerbittlich. Ersteinmal wird meine durchreise extrem verteuert und dann wurde ich so gründlich durchsucht, dass die Zöllner doch ein weiteres Teil von mir verlegten. Ich musste mich natürlich zurückhalten, Beleidigung hatte ich in diesem Moment leider nicht in mir.

Aber danach konntest du deine Reise fortsetzen und kamst ans Ziel.
Nicht ganz. Eine Schwankung im Handynetz ließ mich kurzzeitig in Nirvana fallen. Ich dachte schon alles wäre vorbei. Da fischte mich jemand aus diesem imaginären Papierkorb und schob mich an meine Zieladresse. Ich kenne bis heute weder sein oder ihr Gesicht oder Namen. Es gibt wohl doch einen Beschützer aller SMS, der sie auf all ihren Wegen begleitet.

Du konntest zum Glück noch vollständig rekonstruiert werden. Da war wirklich eine Schutz-SMS am Werke.
Ja, richtig.

Ausgezeichnet. Danke für das Gespräch. Hast du noch ein paar letzte Worte für die Leser?
Mmh… vielleicht… auch in den modernen Zeiten kann immer etwas schiefgehen. Wir sind nicht perfekt und müssen bestimmt noch verbessert werden. Klingt das ok?

Wunderbar. Vielen Dank nochmal und bis zum nächsten Mal.
Bis dann.

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Pokernacht

Dunkle Nacht. Eine einzige in Rauch gehüllte Lampe hängt über den Tisch. Überall liegen Münzen. Fünf Personen sitzen am Tisch. Ich einer von ihnen. Hier geht es um die nächsten Studiengebühren.

Misstrauischer Blick nach Links, vorsichtiger Blick nach Rechts, wütender Blick an den Gegenüber, der letzte Blick verweilt ein wenig länger.

Ich habe 10 Pik und Kreuz Dame. Ok, ich geh mit. Mein Blick schweift. Der Typ mit langen Haaren und komischer langer Robe steigt aus. Die Dame mit der schönen Nase kramt eilig in der Schatztruhe. Typ Nummer zwei lacht nur und scheint mit anderen Dingen beschäftigt. Jetzt wartet alles auf den Zug vom letzten Mitspieler. Unglaublich breit und dick gebaut, kommt wohl aus südlichen Ländern und keine Haare. Seine Zeit läuft ab.

Heads Up… Duell zwischen mir und der wunderschönen Frau. Auf dem Flop noch drei Zehnen. ICH HABE GEWONNEN!!! Ok, Nerven bewahren. Keine Miene verziehen. Ich setze vorsichtig. Die Frau geht mit. Der Turn folgt. Mehr Einsatz, denke ich. Aber die Schatztruhe ist zu groß. Die Dame bezahlt das mühelos. Letzte Karte: Ich setze alles. Die Frau lacht arrogant und rümpft die Nase. Dann bezahlt sie.

Als sie ihre Niederlage eingestehen muss, tobt sie. Der langhaarige Typ und der ständig Lachende versuchen sie zu beruhigen. Ich neige den Kopf leicht zur Seite, sammle langsam die Geldstücke ein. Mein Blick wird unscharf. Es ist spät, denke ich. Ich muss ins Bett.

„TIGER“, hör ich die Frau schreien. Aus der Dunkelheit kommen sie näher: große weiße Zähne. Tiefgelbe Augen kommen auf mich zu. Ich fange an zu rennen. Der Langhaarige Typ sagt in Seelenruhe zur Frau: „Aber, aber, Kleopatra… das war unnötig.“

Ich laufe in die Dunkelheit, merkwürdige Formen gleiten an mir vorbei. Ich spüre den Atem des Tigers hinter mir. Er wird immer größer und verschlingt mich in einem Biss.

Ich sitze wieder am Tisch. Schweiß gebadet. Was zum…, sage ich zu mir. Kleopatra zeigt mir die kalte Schulter und wendet den Blick ab. Fragezeichen in meinem Gesicht als ich in die Runde schau. Alle sind stumm. Nur der eine Typ lacht. Ich werfe eine Münze an seinen Kopf, aber er lacht. Ich versuche mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Nächste Runde. Kleopatra hat wohl keine Lust mehr und steigt sofort aus. Der Dicke lässt seine Zeit laufen, bis sie wieder endet. Auch der Lachende konzentriert sich auf andere Sachen. Nur der Langhaarige bleibt. Das Duell beginnt.

In ruhiger Stimme fängt er an zu sprechen: „Du hast keine Chance, steige aus.“

Ich antworte kühl:“ Jesus, mit dem Blatt nicht und mach deinen heiligen Schein aus. Er blendet.“ Meine Augen tränen und ich fühle mich leicht gebräunt. Trotzdem bleibt es im Hintergrund dunkel. Die Runden vergehen und es kommt ein wenig Geld zusammen. Jetzt müssen die Karten aufgedeckt werden. Jesus hat zwei und eine drei. Also nichts. Ich hämmer mein Blatt auf den Tisch. FULL HOUSE.

„Ich gewinne“ sagt Jesus.

„Was??? Quatsch, du hast absolut…“ Ich schaue auf sein Blatt vier Dreien. „Du hast deine Karten verwandelt.“

„Nein, habe ich nicht“, antwortet er ruhig.

Ich stürze los: “ Ich hab’s doch gesehen…denk an deine 10 Gebote… du sollst nicht lügen und so…“

„Ach, ist doch von Moses… nicht von mir“, sagt er und sammelt die Chips ein.

Ich stotter: „Ich… Du…aaaahh…“

„Möchtest du Wein?“, fragt er.

Ein Schrei schallt durch meinen Kopf: AAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRGGGGGGHHHH. Dann sage ich: „Ja“. Besser als nichts.

Mir wird schwindelig.
Neue Runde. Alle haben ihre Karten und es könnte losgehen, da schreit der Immer-Lachende: „Krabbenburger sind FEEERRRTIIICCHH…Hahahahahahahaha…“
Ein weiterer Schrei jagt durch meinen Kopf. Dieser kleine Quadratschädel, gelb und immer diese Lache: „Spongebob, sei RUHIG. Ich muss mich konzentrieren. Aber ich nehme einen Burger…
„‚Tschuldige…hahahahaha.“

Die Runden vergehen. In meinen Kopf dreht sich immer mehr. Nach der zwanzigsten Runde frage ich Jesus nach dem dicken Typ ohne Haare aus. „Warum macht er nichts.“

Im gewohnten ruhigen Ton antwortet er: „Ach, Buddha? Er sucht noch die Erleuchtung. Du musst dich Gedulden müssen.“

Ein HAHAHAHAHA kommt von der anderen Seite. Kleopatra fängt an zu singen. Buddha beginnt mit einem tiefen OoOoOoOhm. Es hört nicht mehr auf. Hinter Jesus singen die Engel. Er hat seine Heiligenschein immer noch nicht abgeschalten. Es blendet, ich sehe nichts mehr. „F steht für Freunde, die was unternehmen….hahahahaha“ Spongebob singt? Ich schreie. Der Tiger brüllt hinter meinem Kopf. Alles dreht sich. Immer schneller wird der Strudel. Alles verschwimmt vor meinen Augen. Die Stimmen, der Gesang, das Brüllen wird lauter…

Es wird dunkel, alles verstummt. Ich falle. Ich falle tief…

Ich wache auf. Mein Kopf dröhnt. Was zum…
Ich darf nicht mehr so viel trinken.

Die 10 verlorenen Kugelschreiber

Akt 1 – Die Drohung
Wir hatten so viel Spaß. Jeder einzelne hatte seinen Betrag geleistet, damit ich mein Semester erfolgreich abschließe.
Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern als…
*blink* blink* Rückblende an *funkel* funkel*
Ich bin, sowie immer zu meiner Federtasche gegangen, in der Hoffnung wieder etwas schreiben zu können. Doch nach dem Griff in die leere Tasche war mir sofort klar, dass hier etwas nicht stimmt.
Verzweifelt suche ich überall nach einem Kugelschreiber. Unter den Kochtöpfen, unter dem Schreibtisch, in der Toilette, im Vorratsraum… Nichts. Vielleicht hatte ich einem im Briefkasten gelassen. Auch nicht. Ich ließ mich zurück in meinen Bürostuhl sacken.
*blink* blink* Rückblende aus *blink* blink*
Das war vor einer Minute.
Von der Seite lächelte mich schief ein Bleistift an. „Benutz‘ doch mich“ krächzte sein bleigeschwängerter Atem. Ich hatte wohl keine andere Wahl. Vorsichtig setzte ich ihn auf das Blatt Papier… *krxxx*… abgebrochen. Der Bleistift jauelte auf und ich schob ihn zurück in die Federtasche. Das ist nicht das gleiche.
Meine Augen durchforsteten nocheinmal mein Zimmer. Als sie zurückkamen, berichteten sie voller Trauer nichts gefunden zu haben. Verdammt, bis jetzt konnte ich mich immer auf meine Augen verlassen. Ohne die Kugelschreiber werde ich mein nächstes Semester wohl nicht bestehen, da ich nicht mitschreiben kann.
Und so vergingen die Stunden und ich versuchte mit meinem Fingernagel etwas ins Papier zu ritzen. Aber es war nichts das gleiche. Unruhig lief ich in meinem Zimmer auf und ab. Als ich mich meine Füße dann doch zu einer Pause trieben, wollte ich in die Küche und mir einen Kaffe kochen. Doch die Zimmertür schlug vor mir zu. Im Augenwinkel konnte ich noch letzte Rauchschwaden verschwinden sehen.
In der Tür steckte eins meiner Küchenmesser und befestigte so ein Stück Papier. „Ich habe Kopfschmerzen. Könntest du mich herausziehen?“ jammerte das Messer. „Du hast auch drei Wünsche frei!“. Ein verlockendes Angebot. Ich zog das Messer, wie einst König Arthus das Excalibur, aus der Tür. Ich fühlte mich großartig jemanden geholfen zu haben, da schnitt mir das Messer in den Finger. Was, zur Hölle… „Dachtest du wirklich, ein Messer könnte dir drei Wünsche erfüllen. Cee Yaa, Biatch!“ und es lief davon.
Ich holte das heruntergefallene Blatt Papier vom Boden und wollte mein Blut vom Finger abwischen. „Moment!!!“ schrie das Papier. „Lies erst, dass was man auf mich heraufgeschrieben hat.“
In der Tat, das Papier hatte Recht, auf ihm stand etwas. Ich erkannte es sofort. Es war mit der Tinte meiner Kugelschreiber geschrieben.
Einen verhassten Tag,
ich habe deine Kugelschreiber. Wenn du sie jemals wieder lebend sehen willst, dann mache dich auf die Reise und triff den Radiergummi unter deinem Bett.
Mit schrecklichen Grüßen 
*unleserlich*
 
Als ich weiter über den Brief starrte und mich fragte was das alles zu bedeuten hatte und seit wann Kugelschreiber leben, da sie doch eigentlich seelenlose Gegenstände sind und wie man sie dann umbringen sollte, schnitt auch das Papier mir in den Finger. „Dein Blut bei mir abwischen? Kannste knicken! Hau rein“ und dann lief es auch davon.
Ich drehte mich um und mit einem ernsten Blick, starrte ich der untergehenden Sonne entgegen, den Finger auf sie gerichtet. Es war einer der epischsten Momenten meines Lebens und ich schrie ihr entgegen: „Ich werde meine Kugelschreiber retten, egal wer dahinter steckt und egal wieviel Zeit es mich kostet. Ich habe ja schließlich Semesterferien.“ … „Was geht mich das an?“ zuckte die Sonne mit den Schultern und ging unter. Der Mond erschien und es wurde kalt. „Hey, was geeeht…“ fragte der Mond. Ich drehte mich um und begann die Reise zum Radiergummi in der Hoffnung mehr über den Verbleib meiner Kugelschreiber herauszufinden.
*Fortsetzung folgt*
„Hey Maaaann, du hast mir noch nicht geantwortet, ich habe die ganze Einleitung der Geschichte verpasst. Erzähl doch maaaaal… was geht hier ab …. …..

Ich lief weiter bis ich den Mond nicht mehr hören konnte und bog dann unter mein Bett ab.

S-Bahn im Sommer

Die Türen öffnen sich. Heiße Luft schlägt mir ins Gesicht. Als wäre die ungnädige Sonne, die unablässig auf meinem Kopf knallt nicht schon genug gewesen. Mein Gehirn schrumpft derweil auf eine kleine Rosine zusammen. Winzig, ausgetrocknet und ohne Leben.

Ich setze mich hin und versuche in die Gesichter der anderen Saunabesucher zu schauen. Keine Chance. Die aufsteigenden Dämpfe vernebeln mir mein Blickfeld. Ich versuche mich vom Fußmarsch zu erholen und das Schwitzen zu unterlassen. Aber die Hitze macht mir einen Strich durch die Rechnung. Mein Körper tropft weiter. Eine Schweißperle rennt mir die Nase hinunter. Zehn andere Perlen dringen über meine Augenbraunen auf die empfindliche Netzhaut. Ich versuche mit meinem Arm schlimmeres zu verhindern und reibe die ätzende Substanz nur noch weiter in die Augen.

ES BRENNT!!

Diese, durch die Sonne aufgehitzte S-Bahn ist ein Albtraum. Ich versuche aufzustehen, um bei der nächsten Station an der Tür Luft zu holen und mich abzukühlen. Leider rutsche ich auf dem schweißigen Boden aus und knalle mit Kopf gegen eine Metallstange. Zum Glück ist nichts passiert. Mein kleines Rosinengehirn kann nicht weiter beschädigt werden und das austretende Blut kühlt ein wenig.

Ich robbe mich zur Tür. Öffne sie in der Erwartung kühle Luft auf meiner Haut zu spüren. Aber es schlägt mir nur ein noch viel heißerer Luftstrom direkt vom unter der Tür angebrachten Motorraum entgegen. Ich ringe nach Luft. Mein T-Shirt hat bereits 10 Liter Flüssigkeit aufgenommen und meine Hose erweist sich saugfähiger als jede Windel.

Ich will doch nur Abkühlung. Die Tür schließt sich wieder und von draußen sieht man mich durch die Fensterscheibe mit dem Gesicht an das Glas gedrückt, schreien.

In der Hoffnung jemals ein kleinen Windhauch zu vernehmen, fahr ich weiter … leider bis zur Endstation.