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Pokernacht

Dunkle Nacht. Eine einzige in Rauch gehüllte Lampe hängt über den Tisch. Überall liegen Münzen. Fünf Personen sitzen am Tisch. Ich einer von ihnen. Hier geht es um die nächsten Studiengebühren.

Misstrauischer Blick nach Links, vorsichtiger Blick nach Rechts, wütender Blick an den Gegenüber, der letzte Blick verweilt ein wenig länger.

Ich habe 10 Pik und Kreuz Dame. Ok, ich geh mit. Mein Blick schweift. Der Typ mit langen Haaren und komischer langer Robe steigt aus. Die Dame mit der schönen Nase kramt eilig in der Schatztruhe. Typ Nummer zwei lacht nur und scheint mit anderen Dingen beschäftigt. Jetzt wartet alles auf den Zug vom letzten Mitspieler. Unglaublich breit und dick gebaut, kommt wohl aus südlichen Ländern und keine Haare. Seine Zeit läuft ab.

Heads Up… Duell zwischen mir und der wunderschönen Frau. Auf dem Flop noch drei Zehnen. ICH HABE GEWONNEN!!! Ok, Nerven bewahren. Keine Miene verziehen. Ich setze vorsichtig. Die Frau geht mit. Der Turn folgt. Mehr Einsatz, denke ich. Aber die Schatztruhe ist zu groß. Die Dame bezahlt das mühelos. Letzte Karte: Ich setze alles. Die Frau lacht arrogant und rümpft die Nase. Dann bezahlt sie.

Als sie ihre Niederlage eingestehen muss, tobt sie. Der langhaarige Typ und der ständig Lachende versuchen sie zu beruhigen. Ich neige den Kopf leicht zur Seite, sammle langsam die Geldstücke ein. Mein Blick wird unscharf. Es ist spät, denke ich. Ich muss ins Bett.

„TIGER“, hör ich die Frau schreien. Aus der Dunkelheit kommen sie näher: große weiße Zähne. Tiefgelbe Augen kommen auf mich zu. Ich fange an zu rennen. Der Langhaarige Typ sagt in Seelenruhe zur Frau: „Aber, aber, Kleopatra… das war unnötig.“

Ich laufe in die Dunkelheit, merkwürdige Formen gleiten an mir vorbei. Ich spüre den Atem des Tigers hinter mir. Er wird immer größer und verschlingt mich in einem Biss.

Ich sitze wieder am Tisch. Schweiß gebadet. Was zum…, sage ich zu mir. Kleopatra zeigt mir die kalte Schulter und wendet den Blick ab. Fragezeichen in meinem Gesicht als ich in die Runde schau. Alle sind stumm. Nur der eine Typ lacht. Ich werfe eine Münze an seinen Kopf, aber er lacht. Ich versuche mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Nächste Runde. Kleopatra hat wohl keine Lust mehr und steigt sofort aus. Der Dicke lässt seine Zeit laufen, bis sie wieder endet. Auch der Lachende konzentriert sich auf andere Sachen. Nur der Langhaarige bleibt. Das Duell beginnt.

In ruhiger Stimme fängt er an zu sprechen: „Du hast keine Chance, steige aus.“

Ich antworte kühl:“ Jesus, mit dem Blatt nicht und mach deinen heiligen Schein aus. Er blendet.“ Meine Augen tränen und ich fühle mich leicht gebräunt. Trotzdem bleibt es im Hintergrund dunkel. Die Runden vergehen und es kommt ein wenig Geld zusammen. Jetzt müssen die Karten aufgedeckt werden. Jesus hat zwei und eine drei. Also nichts. Ich hämmer mein Blatt auf den Tisch. FULL HOUSE.

„Ich gewinne“ sagt Jesus.

„Was??? Quatsch, du hast absolut…“ Ich schaue auf sein Blatt vier Dreien. „Du hast deine Karten verwandelt.“

„Nein, habe ich nicht“, antwortet er ruhig.

Ich stürze los: “ Ich hab’s doch gesehen…denk an deine 10 Gebote… du sollst nicht lügen und so…“

„Ach, ist doch von Moses… nicht von mir“, sagt er und sammelt die Chips ein.

Ich stotter: „Ich… Du…aaaahh…“

„Möchtest du Wein?“, fragt er.

Ein Schrei schallt durch meinen Kopf: AAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRGGGGGGHHHH. Dann sage ich: „Ja“. Besser als nichts.

Mir wird schwindelig.
Neue Runde. Alle haben ihre Karten und es könnte losgehen, da schreit der Immer-Lachende: „Krabbenburger sind FEEERRRTIIICCHH…Hahahahahahahaha…“
Ein weiterer Schrei jagt durch meinen Kopf. Dieser kleine Quadratschädel, gelb und immer diese Lache: „Spongebob, sei RUHIG. Ich muss mich konzentrieren. Aber ich nehme einen Burger…
„‚Tschuldige…hahahahaha.“

Die Runden vergehen. In meinen Kopf dreht sich immer mehr. Nach der zwanzigsten Runde frage ich Jesus nach dem dicken Typ ohne Haare aus. „Warum macht er nichts.“

Im gewohnten ruhigen Ton antwortet er: „Ach, Buddha? Er sucht noch die Erleuchtung. Du musst dich Gedulden müssen.“

Ein HAHAHAHAHA kommt von der anderen Seite. Kleopatra fängt an zu singen. Buddha beginnt mit einem tiefen OoOoOoOhm. Es hört nicht mehr auf. Hinter Jesus singen die Engel. Er hat seine Heiligenschein immer noch nicht abgeschalten. Es blendet, ich sehe nichts mehr. „F steht für Freunde, die was unternehmen….hahahahaha“ Spongebob singt? Ich schreie. Der Tiger brüllt hinter meinem Kopf. Alles dreht sich. Immer schneller wird der Strudel. Alles verschwimmt vor meinen Augen. Die Stimmen, der Gesang, das Brüllen wird lauter…

Es wird dunkel, alles verstummt. Ich falle. Ich falle tief…

Ich wache auf. Mein Kopf dröhnt. Was zum…
Ich darf nicht mehr so viel trinken.

Die Mücke

BSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS BSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

Ich schreckte auf. War das? Das kann nicht sein. Ich hatte das Fenster doch seit Tagen nicht aufgemacht. Wie konnte jetzt also eine Mücke mich beim Schlaf stören? Ich legte meinen Kopf ruhig auf das Kissen und lauschte in die Dunkelheit. Im Hintergrund blubberte die Heizung und schlief den Schlaf der Gerechten. Nur ich war hellwach, die Ohren gespitzt.

BSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS BSSSSSSSSSSSSSS…

Ich hatte mich doch nicht verhört. Licht an! Nichts. Wo war das kleine stechende Insekt? Hinterm PC, unterm Sofa, an der Decke? Keine Spur. Ich sah sie nicht. Kein Schatten und kein Summen mehr. Ich müsste sie aber erwischen, wenn ich in aller Ruhe wieder einschlafen wollte. Ich ging kurz an den Schreibtisch und starrte in schier unendlosen weiten meines Zimmers. Ca. 2 zwei Meter vor mir meine leere Wand. Es würde die halbe Nacht dauern sie zu finden, wenn sie nicht fliegt. Ich musste einen Plan aufstellen.
Mit einer zusammengerollten Zeitschrift stieg ich wieder ins Bett und schnarchte übertrieben drauf los. Sekunden vergingen, dann flog sie scheinbar in Richtung meines rechten Ohres.

bbbbbssssssssssssssssssssssssssssssSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS

EIN SCHLAG NACH RECHTS mit der Zeitschrift. Licht an! Natürlich verfehlt. Aber ich sah sie. Ich stürmte los, wie ein Berserker die Zeitung schwingend, versuchte ich sie zu erwischen. Dann flog ich über den Bürostuhl. Sie war wieder weg. Alles klar, kein Problem. Wieder ins Bett und lauschen.
Diesmanl versuchte sie es über das linke Ohr.

BBBBBBSSSSSSSSSSSsssssssssssssssssssssssssssssss

Die Zeitschrifte klatschte an die Wand. Die Mücke, sie… flog seelenruhig in der Gegend herum.
Es war wohl klar, dass ich zum allerletzten Mittel greifen müsste und das war denkbar einfach. Im Flur Licht an und die Zimmertür aufgelassen. Nur meine zwei leuchtenden Augen starrten aus der Dunkelheit meines Zimmers hervor.
Im Lichtschein des Flures sah ich die Mücke verschwinden. Schneller als die Mücke „bsssss“ war die Tür verschlossen, mit Paketklebeband alle Luftschlitze versiegelt, ich im Bett und gute Nacht.

Am nächsten Morgen wachte ich mit einer juckenden Beule am Arm auf. Wie zur… Das Mysterium der Mücke, wie sie es geschafft mich auszutricksen, wird wohl nicht gelöst werden können.